SANKT  WENDELIN

Höchst

Bereits im Jahr 976 wurde Höchst erstmals urkundlich erwähnt. In diesem Jahr wurde auch die Zugehörigkeit von Höchst zur Mutterkirche in Wirtheim erstmalig beurkundet. Schon damals dürfte es in der kleinen Siedlung „Hosti“ ein erstes einfaches Bethaus gegeben haben.

 

Ein bedeutendes Zeichen des Glaubens setzte die Gemeinde im Jahr 1415 mit dem Bau der Wendelinuskapelle. Der Legende nach blieb Höchst in jenem Jahr von einer schweren Viehseuche verschont – aus Dankbarkeit errichteten die Menschen eine Kapelle zu Ehren des heiligen Wendelin, des Schutzpatrons der Bauern, Stallungen und des Viehs. Trotz zwischenzeitlicher Zerstörung und jahrzehntelangem Verfall wurde die Kapelle im Jahr 1702 wiederaufgebaut und ist bis heute ein Ort der Andacht.

 

Mit dem Bau der ersten Kirche im neugotischen Stil im Jahr 1892 erhielt die Gemeinde schließlich ein eigenes Gotteshaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung stark an, sodass ein Neubau notwendig wurde. Die alte Kirche wurde abgerissen und 1966 konnte die heutige Kirche St. Wendelin geweiht werden – ein moderner Bau, der sich ganz an den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils orientiert. Die markante Architektur mit Sichtbeton, Sandstein, Glas und Holz sowie der bewusst gestaltete liturgische Raum verleihen der Kirche einen kraftvollen, zugleich offenen Charakter. Besonders sehenswert ist der kunstvoll gestaltete Kreuzweg.

 

Der erste Spatenstich für die von Architekt Dipl.-Ing. Herbert Roel geplante Kirche erfolgte am 15.06.1964, zunächst für das Jugendheim, welches während der Bauzeit der neuen Kirche auch als Notkirche dienen musste. Am 20.09.1964, dem Ehrentag des Schutzpatrons, des hl. Wendelin konnte die feierliche Grundsteinlegung und Weihe durch Dechant Otto Boden begangen werden. Im Juli 1965 folgte, nachdem die alte Kirche im Januar 1965 abgerissen wurde, das Richtfest und am 03. April 1966 konnte die neue Kirche durch den Diözesanbischof Dr. Adolf Bolte geweiht werden.  Damit war zwar das unmittelbare Bauvorhaben abgeschlossen, es fehlten aber noch einzelne wichtige Ausstattungsteile, wie z.B. Taufstein, Weihwasserbecken, Altarkreuz und Orgel, deren Anschaffung sich noch einige Zeit hinzog.

 

St. Wendelin war eine der ersten Kirchen in der Diözese Fulda, deren Neubau konsequent nach den Prinzipien des II. Vatikanischen Konzils geplant und umgesetzt wurde. Architekt Herbert Roer gibt in einer Festschrift anlässlich der Kirchweihe einige Einblicke in seine planerischen Überlegungen: „Die Altarinsel ist mit dem Altarstein, dem Abo, dem Sakramentsaltar und der Priesterbank nach der neuen Konstitution über die Liturgie nach dem II. Vatikanischen Konzil gestaltet. Danach spielt sich die Eucharistiefeier an drei verschiedenen Orten des Altarraumes ab, die wie drei Brennpunkte die Gestaltung des Altarbezirkes architektonisch bestimmen. Zwischen diesen durch die Funktion der Liturgie besonders gesetzten Orten vollzieht sich der Gottesdienst zwischen Priester und umstehenden Gläubigen in Ruf und Antwort, Gruß und Gegengruß, in Gebet, Gesang, Predigt und Sakrament.“

 

Wie viele Kirchen, die in den 1960er Jahre gebaut wurden, orientiert sich auch St. Wendelin Höchst in ihrem Grundriss nicht mehr am rechteckigen Längsbau. Vielmehr erhebt sich der Kirchenbaukörper, wie Architekt Roer in seiner Bauerläuterung weiter ausführt, über einem großen Fünfeck: „Der Raum, axial angeordnet, weitet sich weit und steigt bestimmend von fast vier auf vierzehn Meter zum Chorraum an.“ Außerdem erfahren wir vom Architekten, dass die gescheitelte Dachfläche mit einer Stützweite von 28 Metern die Grundfläche wie ein „bergendes Zelt“, das den Gläubigen Obdach gewährt, das als Heimstatt des „wandernden Gottesvolkes“ dient, aber dabei sinnbildlich auch für das Vorläufige unseres diesseitigen Lebens steht.

 

Der Kirchenraum bietet für ca. 490 Personen Sitzplätze. Davon befinden sich rund 460 im Kichenschiff, aufgeteilt auf vier Bereiche zu je ca. 12 Bankreihen, dazwischen je ein breiter Gang; alle Bänke sind nach Südosten ausgerichtet, auf den Chor hin. Auf der Empore finden sich für 30 Personen Sitzplätze.

 

Quelle: St. Wendelin – 50 Jahre katholische Kirche Höchst, Festschrift und Kirchenchronik

Fotos: Susanne Gerschlauer M.A.