Pfarrer Schweimer GNZ 27.06.26

Pfarrer Schweimer GNZ 27.06.26

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# Berichte

Pfarrer Schweimer GNZ 27.06.26

Wer suchet, der findet?

 

Es geht schon lange nicht mehr nur um Randthemen der Kirche, es geht mittlerweile um den Grund unseres Glaubens: Um Gott selbst. Oder eben gerade nicht um Gott, sondern unsere Gesellschaft ist momentan auf der Suche nach etwas, das ihn ersetzen kann, habe ich den Eindruck. Meines Erachtens ist die Suche aber wirklich ehrlich. Viele Menschen unserer Gesellschaft sagt der Glaube, wie er in unserer Kirche gelebt, verkündet, gefeiert wird, nichts mehr. Viele Menschen finden in der Kirche nicht mehr das, was sie suchen.

 

Das kann man meiner Meinung nach daran erkennen, dass z. B. Traditionen nach und nach ersetzt oder auf ihren (heidnischen) Ursprung zurückgeführt werden. So wird nicht mehr das Osterfeuer der Osternachtsfeier der kirchlichen Liturgie gefeiert, sondern ein weltliches Fest mit einem großen Feuer am Karsamstag- oder Ostersonntagabend gefeiert. Es wird nicht mehr das Johannesfeuer entzündet, sondern ein Sonnenwendfeuer am Tag der Sommersonnenwende. Vielerorts wird Kirmes, Kirchweih ohne kirchlichen Bezug begangen. Hochzeitspaare heiraten vermehrt nicht mehr in der Kirche, sondern entscheiden sich für eine Freie Trauung.

Neben den genannten Veränderungen im Bereich der Rituale, sind auch Veränderungen im innersten Bereich zu sehen: Die Seele versucht man nicht mehr mit Gott in Verbindung zu bringen, sondern erhofft sich inneren Ausgleich durch Yoga. Sehnsucht nach Größerem wird oft versucht, durch Konsum zu stillen. Verarbeiten der harten Realität wird durch sich begeben in Phantasie-, Historische-, Science-Fiction- Welten versucht.

 

Diese ganze Liste von Beobachtungen hört sich vielleicht anklagend an. Ist es aber mit Nichten so gemeint. Sogar Paulus sagt: „Prüft alles, behaltet das Gute.“ Wie Eingangs gesagt, ist die Suche, glaube ich, zutiefst ehrlich. Es ist eher eine Anfrage an uns als Kirche, als Gläubige, warum wir es nicht schaffen, die Menschen mit Gott in Berührung zu bringen, warum wir offensichtlich nicht ausstrahlen, dass all das Gesuchte, nicht Gott zu bieten hat, warum die Kirche ihre Kernkompetenz verloren hat. Und es ist auch eine Anfrage an uns als Kirche, als Gläubige, ob wir nicht selbst auch oft nach etwas anderem suchen. Niemand ist davor gefeit. Ich selbst auch nicht.

 

Wenn Jesus im heutigen Evangelium (Matthäus 10, 37-42) extrem harte Forderungen stellt – z. B. Vater und Mutter zu verlassen und ihm zu folgen – dann konfrontiert er uns mit der Frage, was in unserem Leben wichtig ist. Ich möchte dem Evangelium nicht seine Kraft nehmen und sagen, wir brauchen Vater und Mutter nicht zu verlassen, ich glaube aber schon, dass das (nur) für die besondere Nachfolge (als Priester, Ordensfrau etc.) gilt. Und trotzdem bleibt dann die Frage, wie setzen wir unsere Prioritäten? Was nimmt großen Raum in unserem Leben ein? Auf welchen Grund bauen wir unser Leben?

 

Andreas Schweimer, Pfarrer der kath. Pfarrei St. Raphael Gelnhausen

 

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